Benefizkonzerte am 03. und 04. April 2012 im Mehrgenerationshaus Volkshaus Tungendorf

Der große Raum mit hoch gewölbter Decke war für den ukrainischen Opern-Sänger Roman Antonyuk wie geschaffen.

Roman versteht es, seine Musik zu kommentieren, sein ukrainisches Instrument – die Bandura – vorzustellen und meisterhaft zu spielen - ein Instrument, auf dem in Volksweisen die ukrainische Seele entdeckt werden kann  und das wie ein Spinett oder Cembalo klingt, wenn Roman darauf Musik von Vivaldi, Händel, Schubert oder Beethoven spielt.

Bekleidet in der Volkstracht der Kosaken und der Westukrainer vertiefte er sich in orthodoxe österliche Gesänge und in die gesungenen Geschichtenerzählungen, mit denen die von Ort zu Ort fahrenden Bandura-Sänger aufgetreten sind. Dass diese dabei wie eine lebendige Zeitung die Informationen von Ort zu Ort brachten und auch die Herrschenden kritisierten, hat so manchen Banduraspieler in Haft oder in Verbannung gebracht. Unter Stalin wurden auf einem Bandura-Treffen in Charkiv hunderte Banduristen nach Sibirien verbannt und getötet.
Nach der Pause, wo zugunsten Inna gespendete Speisen gekauft und verzehrt werden konnten, trat der Opernsänger Roman im Smoking in den Raum, seine Stimme füllte den großen hohen Raum mit seinem warmen und voll klingenden Bariton mit verschiedenen bekannten Opern-Arien.

Die ca. 50 Gäste je Veranstaltung waren begeistert.
An Spenden für Eintritt, für Verzehr von Speisen zu Gunsten Inna  und der Verkauf von 30 CD’s, die Roman kostenlos zur Verfügung gestellt hatte, kamen 2.892,00 € zusammen.

Über den ukrainischen Opernsänger und Banduraspieler Roman Antonyuk möchte ich noch etwas zufügen:

Getroffen habe ich Roman bei einem Empfang anlässlich des 20. Jahrestags „Selbständigkeit der Ukraine“ im Generalkonsulat der Ukraine in Hamburg. Diesen erstklassischen Opernsänger aus der Staatsoper Lwiw (Lemberg) hörte ich erneut bei einem privaten Fest, das die Präsidentin der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft in Schleswig-Holstein, Iris Laufer, in ihrem Haus in Preetz gab.
Da war die 16-jährige Inna seit 6 Wochen zum dritten Mal an Leukämie erkrankt.
Als ich ihn um ein Benefizkonzert bat, war Roman Antonyuk sofort bereit, für Inna zu singen. Er sagte mir: „Ich habe eine Tochter in Inna’s Alter- ich werde für Inna auftreten“.
Wir suchten nach einem Termin, an dem er sowieso in Deutschland sein würde. Es sollten nicht unnötig hohe Reisekosten entstehen. Wir trafen uns im März in Chernigov, Ukraine, und nun in Neumünster, wo ihn Familie Kliem fürsorglich bei sich beherbergte.
Dort hatten wir nach den beiden Konzerten etwas Muße, uns näher kennen zu lernen.
Roman’s Leben ist geprägt durch die Musik -  aber auch durch eine schwere Vergangenheit. Doch auch die Gegenwart ist sehr kompliziert.
Privat bekamen wir ein wenig Einblick in seine Kindheit, die überschattet war durch die langen Inhaftierungen von Vater und Großvater als Folgen der Kriegswirren, dem verständlichen Freiheitsstreben der Westukrainer und dem Stalin-Terror, durch den gerade viele West-Ukrainer oft 60 Jahre und länger inhaftiert waren. Sein warmer Bariton-Gesang kann fröhlich und kraftvoll klingen, mehr noch gehen seine melancholischen Lieder- begleitet mit der Bandura - zu Herzen.
Seine CD mit verschiedenen Ave Maria-Kompositionen hat alle, die seine CD erworben haben, verzückt.

Sein Leben ist geprägt durch Armut. Als Opernsänger an der Oper in Lwiw erhält er ein monatliches Einkommen von 150,00 €, mit dem man auch in der Ukraine nicht leben kann, beispielsweise sind die Lebensmittelpreise höher als in Deutschland.

Auch in Kiew singen Opernsänger aus Armut am Tage in den Straßenunterführungen, in Metro-Eingangshallen und auf den großen Plätzen vor den orthodoxen Kathedralen und am Abend im Opernhaus.

Roman ist verheiratet, hat zwei Kinder, denen er eine gute Bildung ermöglichen will. Deshalb zieht er – wie ein Troubadour – durch europäische Länder und versucht auf diese Weise Geld für seine Familie zu verdienen.
Dass Sänger Roman für Inna ohne Gage singt, 30 CD’s verschenkt, die alle zugunsten Inna verkauft werden konnten, das verdient besonders erwähnt zu werden und dafür danke ich ihm.

Gruß
Eberhardine Seelig

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